Kuehlschrankberatung
Mittwoch, 27. April 2016
Auf dem Dach der Welt –Teil V-
Liebes Tagebuch,

nach zwei anstrengenden Tagen im Bus hatten wir also wieder in Lhasa unser Hotel bezogen. Nun standen ein paar ruhige Besichtigungstage an. Endlich einmal etwas durchatmen. Kein permanentes Ein- und Auschecken und keine gruseligen Hochgebirgsfahrten. Einfach mal ein bisschen Sightseeing auf 3400 m. 😊

Nach einer erholsamen Nacht machte ich wieder eines meiner kurzen Workouts.💪 An die dünne Luft hatte ich mich mittlerweile tatsächlich gewöhnt.

Mit knurrendem Magen ging es dann zum Frühstücken. Wenn man in Lhasa zu dieser Jahreszeit frühstücken oder allgemein essen geht, dann sollte man sich warm anziehen, denn die Futter-Institutionen sind nicht beheizt. So schlappte ich in dicker Daunenweste zum Frühstücksbuffet. Beim Anblick des Futters merkte ich allerdings eine spontane Abneigung. Ich konnte das Essen irgendwie nicht mehr sehen. 🙈Leicht verzweifelt tigerte ich vor den Näpfen hin und her. Zur Abwechslung hatten uns die Tibeter sogar mal Pommes zum Frühstück gezaubert. Na super, Pommes und Gemüse zum Frühstück. 😂

Ich entschloss mich für ein paar Scheiben Tofu mit zwei hartgekochten Eiern, zwei Bananenstücken, ein paar Apfelspalten und etwas Yak-Käse. Verhalten stocherte ich in dem Futter herum und redete mir ein wie gut es doch schmeckt. 😉



Gestärkt durch das „üppige“ Frühstück ging es dann auf eine Tour durch Lhasa. Es war schon sehr faszinierend wie die Menschen hier lebten. Die Stadt war irgendwie belebter und wuseliger als ich dachte. In meiner Vorstellung war das Ganze kleiner und beschaulicher. In Natura war das Ganze das komplette Gegenteil. Überall Autos, Rikschas, Roller und andere Fortbewegungsmittel. Die Gässchen voller Menschen. Einige mit den individuellsten Mundschützen, die man sich vorstellen kann.😷 Vom „Hello Kitty“-Look bis zum Bundeswehr-Look war alles vorhanden. Die Luft ist demnach auch nur von minderer Qualität und das nicht nur wegen des geringen Sauerstoffs. Die Augen und Schleimhäute sind permanent trocken. An meine blutige Nase und den seit Tagen aufgerissenen Mundwinkel hatte ich mich schon beinahe gewöhnt. Irgendwie hatte man in dieser Welt gelernt seine Komfortzone nach unten zu korrigieren. 😏

Die Lebensmittel wurden hier auf der Straße verkauft. Das rohe Fleisch hing ebenfalls direkt auf der Straße. Hinter den Ständen konnte man sogar die halben Rinder, Yaks oder anderen Tiere sehen. Sie lagen einfach auf dem Boden und wurden dort in kleinere Teile zerhackt. In Sachen Hygiene wehte hier einfach ein anderer Wind.😁



Nach einem Spaziergang durch das wilde Leben in Lhasa ging es dann zu einer weiteren Besichtigung. Man konnte sooooo wahninnig viel besichtigen wenn man denn wollte. Da ich ein kleiner Kulturbanause bin, habe ich leider vergessen welche Paläste und Kloster wir wann angeschaut haben. Was ich aber nicht vergessen habe, ist der Zustand der Toiletten in den jeweiligen Institutionen. Und so habe ich auch nicht vergessen, dass mir das absolute „Klo-Armageddon“ auf dem heutigen Ausflug begegnete.

Aber fangen wir erst positiv an. ☺ Der Palast war echt hübsch. Mehr fällt mir gerade dazu nicht ein. Er war im Grunde genauso gestaltet wie das was ich schon bestaunt hatte. Viel Buddha, viel Buttersäure, viel dunkel und viele bunte Wände. Dazu viele Mönche in ihren dunkelroten Gewändern und viele Pilger mit ihren Gebetsmühlen. Hin und wieder ein paar fanatische Pilger, die ein Kind hinter sich her ziehen und dieses an verschiedene Skulpturen pressen, damit sie möglichst viel von Buddha bekommen. Manche Pilger haben ihre Gesichter an sämtlichen Dingen gerieben, die sie bekommen konnten. Ein irgendwie faszinierender Anblick. Wahrscheinlich wäre ich für die Tibeter bei meinen morgendlichen Turnübungen ein ebenso sonderbarer Anblick. So hat jeder seine Leidenschaft. 😊

Während unserer Besichtigung vernahm ich nun also mal wieder einen Drang zum Pipi machen. In meiner Not stapfte ich los und suchte mir eines dieser extrem sauberen Toiletten. Ich hatte mich an den Standard gewöhnt und erwartete keine Wunder. Irgendwie hatte ich eine gewisse Resignation eingeschaltet. Mir war egal wie schmutzig diese Stehklos waren. Mir war auch egal, dass ich bei diesen Toilettengängen immer kontaminiert wurde mit dem ganzen Urin und anderen Substanzen, die hochspritzten. Ich hatte schließlich keine andere Wahl. Das Leben war kein Ponyhof und das Ganze hier kein Wellness Urlaub. 😀

Ich betrat das Klo und fing mit dem üblichen Prozedere an um meine Hose zu öffnen. Beim Anblick des „Klos“ erstarrte ich. So, da war er nun gekommen. Der Moment des Protests. Ich machte meinen Gürtel wieder zu und schloss die Augen. Aber dies nur weil der Urin- und Kotgeruch so dermaßen brannte. Vor mir befand sich eine Querrille aus gekachelten platten. So konnten sich viele Frauen in eine Reihe stellen und über der Querrille ihr Geschäft erledigen. Die Rille insgesamt hatte ein Gefälle. Im besten Fall lief dort Wasser damit die frischen Absonderungen direkt abtransportiert werden. Im schlechteren Fall lief da gar nichts und die Rille war bis zur Hälfte voll mit menschlichen Exkrementen. 💩
Darauf wollte ich nun nicht urinieren. Bei aller Liebe konnte ich dies nicht über mich bringen. Zumal die ganze Geschichte nicht sonderlich tief war und alles irgendwie spritzte. Ich wankte halb besäuselt von dem Ammoniakgeruch wieder ins Freie. Dann halt nicht. Draußen gab es auch keine Möglichkeit. Überall Kameraüberwachungen und Kontrollen und Polizisten. Da wagt man sich nicht mal eben irgendwo in einer Ecke zu verschwinden. Nun denn, Wasser lassen wird auch total überbewertet. 😆

Wir besuchten noch eine Disputation der Mönche in diesem Kloster, was ein sehr interessantes Schauspiel war.



Durch die Faszination vergaß ich sogar, dass ich eigentlich mal dringend musste. So sehr war ich gefesselt von der Inbrunst und Leidenschaft, die die Mönche bei ihren Diskussionen an den Tag legten. Da konnte ich mir mal locker mehrere Scheiben abschneiden. 😊

Nach einem spannenden Tag in einer fremden Welt ging es dann wieder zurück in die Innenstadt zum Nudelsuppe essen. Von der einen Tragödie zur nächsten Quasi. Verrate mir doch mal einer wie man Nudelsuppe essen soll in Low Carb?😂 Zumindest konnte ich endlich meinem Harndrang nach gehen. In Sachen Kohlenhydratarmer Ernährung war an dieser Stelle dann mal Schluss. Bevor ich verhunger esse sogar ich Nudelsuppe. 😜



Und zugegeben war die Suppe der Hammer. Nach dem Nudelschock haben wir dann noch einen kleinen Abendspaziergang durch die Altstadt gemacht. Und was passiert natürlich prompt im Rahmen eines Nudelschocks? Wir haben uns natürlich verlaufen. Und das ist bei all den chinesischen und tibetischen Schriftzeichen irgendwie gar nicht so unproblematisch. Nirgends normale Buchstaben. Man kann nichts lesen, geschweige denn sich verständigen. Englisch spricht dort auch keiner. Hinzu kommt das Problem, dass Tibeter oder Chinesen im Allgemeinen aus Höflichkeit immer nur brav nicken und einen in irgendeine Richtung schicken auch wenn sie keinen blassen Schimmer haben. Dies stand sogar als Warnung in unserem Reiseführer.
Aber immerhin haben wir irgendwann dann im Dunkeln doch unser Hotel wieder gefunden. Ganz ohne Hilfe. 😊

Nach einer ruhigen Nacht ohne Erdbeben oder anderen Vorkommnissen stand die Besichtigung aller Besichtigungen an. Der Portala. Der Winter-Palast des Dalai Lamas. Oder vielmehr der theoretische Winterpalast des Dalai Lamas, da dieser ja seit geraumer Zeit im Exil ist, weil er auf der Flucht vor den Chinesen ist. Aber das ist eine andere Geschichte von der ich auch zugegeben nicht sehr viel verstehe. 🙈

Der Palast ist auf jeden Fall mit seinen 999 Räumen eine wahrliche Faszination. Das Bauwerk ist so unfassbar groß, dass es vor einem eher wie ein Berg erscheint. Nicht wie ein Gebäude.



Und da nicht nur unsere Gruppe voller Interesse dieses phänomenale Bauwerk besichtigen wollte, sondern mit uns auch viele, viele tausend andere Menschen wurde die Besichtigung zu einer fast tagesfüllenden Beschäftigung. Im Entengang watschelten wir in einer riesigen Menschenschlange durch den Palast. Auch dieser Palast war von seiner Innenausstattung geprägt von zwar sehr bunten Wänden, aber durch die Miniaturfenster, die zum Großteil auch noch zugehangen waren, auch von Dunkelheit. Der Buttersäuregeruch war zum Glück nicht ganz so ausgeprägt, da Kerzen auf Grund eines Brandes verboten waren. Die vielen Räume waren verbunden mit Stufen und Treppen. Aber nicht unseren schön genormten Treppen. Die Stufen waren mal steil und kurz, mal nur steil oder von unterschiedlicher Höhe und Tiefe. Im Dunkeln musste man da schon ziemlich aufpassen, um in der ununterbrochenen Menschenkette nicht einen gewaltigen Dominoeffekt auszulösen.😁

Nach einem spannenden Tag im Portala ging es dann nochmal durch die Altstadt. Unser letzter Tag in Lhasa. Wir bestaunten nochmal die typischen Läden, die im Grunde eher aussahen wie Garagen. Größer waren sie zumindest nicht. Die „Garagentür“ stand einfach offen und die Waren standen somit quasi direkt auf der Straße. Und nicht nur die Waren, sondern auch verschiedene Dienstleistungen waren auf diese Weise direkt verfügbar. Zum Beispiel ein Zahnarzt. Direkt in der Fußgängerzone stand in solch einem Laden ein Zahnarztstuhl bereit für eine Wurzelbehandlung. Keine Frage hier ging es in allen Bereich äußerst steril zu. 😂



Aufgesaugt mit all den Eindrücken aus dieser ganz anderen Welt ging auch der letzte Tag zu Ende. Der Tag der Abreise kam. Bevor wir zum Flughafen rollten, ging es noch ein letztes Mal nach Lhasa auf einen Vortrag zur traditionell tibetischen Medizin in dem hiesigen Krankenhaus. Und das hatte es nochmal richtig in sich. Die Türen des Krankenhauses waren in Anlehnung an alle anderen Türen in Lhasa nur dicke, muffige Vorhänge. Ungemein praktisch wenn man mit einem Krankentransport kommt. 😁
Das Innenleben des Krankenhauses ließ das Blut in meinen Adern gefrieren. Unsere Bahnhöfe in Deutschland sehen dagegen hygienisch einwandfrei aus. Alles schmutzig und voller Müll.



Was war ich glücklich, dass keiner unserer Gruppe ernstere gesundheitliche Probleme auf der Reise hatte und das Krankenhaus in Anspruch nehmen musste.

Der Vortrag über traditionell tibetische Medizin hingegen war sehr interessant, da die Tibeter den Menschen einheitlicher sehen. Da können sich unsere Allgemeinmediziner noch etwas abgucken. 👍
Nach dem Krankenhausbesuch ging es dann mit dem Bus zum Flughafen. Durch den zähen Verkehr dauerte die ganze Kiste 1 ½ Stunden. Die Zeit bis zum Abflug schmolz dahin. Hoffentlich würden die Sicherheitschecks diesmal nicht so lange dauern.
Nach dem Einchecken im Flughafen und der Gepäckaufgabe konnten wir dann beruhigt durchatmen. Alles hatte geklappt. Dachten wir. Auf einmal kam die Info, das unser Flieger auf Grund von Unwetter nicht geht. Nur gut, dass unser Gepäck schon aufgegeben war. Kurze Ratlosigkeit. Unser Gepäck sollte direkt nach Peking gehen. Wir dagegen sollten eine Zwischenlandung in Chengdu machen.
Es war Mittag, die Sonne brannte auf uns herab und keiner wusste so recht wie es weiter gehen sollte. Zum Glück hatten wir vor Ort kein Unwetter. Es stürmte zwar etwas, aber so hatten wir zumindest etwas Sonne.
Die Fluggesellschaft war irgendwie leicht wirr und die Informationen stockten. Fakt war, wir hingen fest und würden Lhasa heute nicht mehr verlassen. Ich fing an ein paar meiner Workout-Übungen zu machen. Ich erntete ein paar irritierte Blicke. 😞
Aber nun denn, ich pflege in solchen Momenten immer zu denken „Carpe Momentum. Wenn man die Situation nicht ändern kann, dann mach für Dich wenigstens das Beste draus." ☺😊

Hier geht's zu Teil VI:
https://kuehlschrankberatung.blogger.de/stories/2582307/

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Letzte Aktualisierung: 2016.12.16, 19:49
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