| Kuehlschrankberatung |
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Sonntag, 24. April 2016
Auf dem Dach der Welt –Teil III-
kuehlschrankberatung, 12:28h
Liebes Tagebuch,
das Erdbeben war zum Glück nach dem anfänglichen Beben zufrieden und hatte die Nacht über nichts Weiteres unternommen, um die Erdplatten in eine optimalere Position zu bringen. Das Hotel stand noch und Lhasa schien von alldem nichts mit bekommen zu haben. ☺ Auf mich hingegen hatte das Erdbeben allerdings schon seinen Einfluss. Denn richtig schlafen konnte ich nach dem ganzen Gewackel nicht mehr. Ich hatte schließlich die ganze Zeit im Hinterköpfchen, dass ich bei einem starken Beben möglichst schnell raus muss auf die Straße. Wie dem auch sei. Von dem Notfallprogramm musste ich ja zum Glück keinen Gebrauch machen. 😁 Vor dem Frühstück spulte ich trotz der Müdigkeit ein kleines Workout durch. Denn schließlich stand ein weiterer Tag im sitzen an. Heute würden wir erst abends in Shigatse ankommen. Wenn denn alles nach Plan laufen würde und Shigatse nach dem Beben noch stehen würde. 🙈 Beim Frühstück erfuhren wir dann, dass es in Indien und in Westtibet sehr stark gebebt hatte. 7,0. Mit anderen Worten hieß das nun allerdings, dass wir in die Richtung des Epizentrums fahren würden. Und das auch noch auf diesen gruseligen Passstraßen auf über 4000 m Höhe. Hoffentlich würde es keine weiteren Beben geben. Ich verdrängte sämtliche Horrorszenarien aus meinem Oberstübchen und gab mich dem Frühstücksbuffet hin. Naja, zumindest versuchte ich dies. Beim Anblick der Möglichkeiten schwand mein Appetit dahin. Die üblichen Gemüsesachen, aber dazu wenigstens Eier in unterschiedlichen Variationen. 😊 ![]() Das Toast mit Marmelade und das gedünstete Brot verweigerte ich weiterhin. Außerdem gab es heute Speck und geröstete Erdnüsse. Das war eigentlich ok.😊 Aber irgendwie schon nicht ganz so klassisch. Aber ich würde überleben.😉 ![]() Und das sogar mit vielen neuen Erfahrungen, also kein Grund zum Jammern sondern nur zur Freude über viel frisches Input aus der großen, weiten Welt. 😊 Nach dem Frühstück rotteten wir dann unsere ganzen Sachen zusammen, checkten aus und bezogen unser Lager im Reisebus. Dies würde für den heutigen Tag unsere Heimat sein. Es ging los. Raus aus Lhasa, rein ins Hochgebirge. Direkt beim Start erzählte uns der Reiseführer, dass vor ein paar Jahren auf dieser Tour ein Reisebus mit 200 Chinesen tödlich verunglückt sei. Na prima, das hätte er sich auch als Überraschung für die Ankunft aufsparen können. Der Grund warum er es jetzt erzählte lag in den Konsequenzen, die dieses Unglück hatte. Denn seit her werden die Busse stärker kontrolliert. Daher fuhr sogar ein Polizist mit im Bus, um den Fahrer zu kontrollieren. Und im kontrollieren sind die Chinesen echte Experten. Überall hängen Überwachungskameras. Selbst der Bus wurde überwacht. Dies führte mehrfach dazu, dass unser tibetischer Reiseführer Fragen, die wir hinsichtlich der Religion und der Regierung stellten nicht beantwortete und dies auch damit erklärte, dass er das irgendwann später mal sagt und nicht im Bus. Tja, irgendwie eine ganz andere Welt und das in vielerlei Hinsicht. Aber was die Fahrt nach Shigatse anging war ich erst mal beruhigt. Der Fahrer musste aufpassen und konnte nicht einfach fahren wie ein Henker. Wir passierten viele Felder, die trotz der Kargheit landwirtschaftlich genutzt wurden. Yaks, Schafe, Ziegen und Kühe weideten ebenfalls auf den weiten Flächen und die Äcker wurden tatsächlich noch in Handbetrieb oder mit vorgespannten Pferden gepflügt. Man hatte den Eindruck in ein Geschichtsbuch eingetaucht zu sein. Das kannte man eigentlich nur von früher. Nach gut zwei Stunden Fahrt machten wir einen Zwischenstopp in einer kleinen Siedlung. Wir waren gestrandet in einer komplett anderen Welt. Einfacher konnte man sich ein Leben nicht vorstellen. Die Wände waren teilweise aus Yak- und Kuhkacke gemacht.😁 ![]() Die Menschen beteten mit ihren Gebetsmühlen vor sich hin und strahlten dabei so wahnsinnig viel Lebensfreude aus. Ich war fasziniert und beeindruckt von dieser positiven Aura. Das erlebt man in unserer Welt eher weniger.😊 ![]() Das Lustige allerdings war, dass selbst in dieser Welt überall Wifi verfügbar ist. Die einfachste Omi mit ihrer Gebetsmühle zuckte plötzlich ein klingelndes Iphone 6 aus dem Umhang. Ein total skurriles Bild. Wir beendeten unsere Besichtigung mit einem erquickenden Toilettengang. An den Standard dieser Toiletten hatte ich mich bisher fast gewöhnt. Was nicht heißen soll, dass ich dies wirklich toleriere, denn eins ist klar, der Zustand dieser Anlagen ist ein potentielles Risiko sich mit diversen Infektionskrankheiten zu bestücken. Leider hatten wir nie die Möglichkeit ein Freilandklo vorzuziehen und waren gezwungen unser Geschäft dort zu verrichten. Und eigentlich habe ich diesbezüglich durch meine Lauferfahrung eine sehr hohe Toleranzschwelle. Aber die sanitären Einrichtungen waren indiskutabel. Kein Wunder, dass die Lebenserwartung hier in Tibet bei gerade mal 58 für den Mann und 60 für die Frau liegt. Das hiesige Klo war in der Hinsicht ganz „nett“, weil man hier nicht unmittelbar in eine Rinne machen musste sondern in einen Haufen Kot, der unter dem Gebäude lag. Somit spritze der ganze Schmodder zumindest nicht hoch. Ein wahres Fest.😂 ![]() Frisch gestärkt mit neuen Eindrücken setzten wir die Reise fort. Je weiter wir fuhren desto karger wurde die Landschaft. Langsam aber sicher schraubten wir uns in Serpentinen durch das Hochgebirge. Immer wieder gingen meine Ohren zu. Der Klassiker in den Bergen halt. 😊 Drei Pässe lagen vor uns. Der zweite würde mit 5039 m der Höchste sein. Mit jedem weiteren Höhenmeter wuchs mein Respekt vor der Höhe und ihren Auswirkungen auf den menschlichen Organismus. Was würde wohl passieren wenn der Bus auf dem Pass die Türen öffnet und uns die dünne Luft um die Ohren weht?😲 Unser Reiseführer hatte uns erzählt, dass die Tibetbahn anfänglich auf dem höchsten Pass auf 5200 m gehalten hatte und die Türen geöffnet hatte. Bei dieser Aktion sind reihenweise die Leute umgekippt und seit dem fährt die Bahn auf dem Pass durch. Und eigentlich war ich auch mal wieder so wahnsinnig müde. Ich hoffte einfach, dass mein einigermaßen fitter Zustand dies kompensieren würde. 😏 Wir erreichten den ersten Pass. 4441 m hoch. Wir stiegen aus und gingen ein paar Schritte durch die Landschaft. Atemberaubend in mehrfacher Hinsicht. Mein Körper fühlte sich noch ziemlich gut an. Keinerlei Anzeichen der enormen Höhe. Selbst die Kurzatmigkeit hielt sich in Grenzen. Mit Worten kaum zu beschreiben was für eine schöne Kulisse sich uns bot. Dafür nahm ich die Strapazen der Klos und anderen Unpässlichkeiten liebend gerne in Kauf. ☺ ![]() Wir hopsten wieder in den Bus und fuhren weiter. Bevor wir den höchsten Pass überqueren würden, würden wir erst noch ein Mittagessen zu uns nehmen. Mit vollem Bauch über den Pass. Ob das wohl gut gehen würde? 🙈 Nach ein paar Kilometern erreichten wir eine Aneinanderreihung von verschiedenen Häusern. Hier wäre man alleine niemals angehalten. Geschweige hätte hier ein Restaurant erwartet. 😁 ![]() Wir betraten ein ziemlich dunkles Gebäude mit tibetischen Schriftzügen. Die Häuser sind hier in der Regel alle mit schweren und dunklen Matten zugehangen. Die Fenster sind ziemlich spartanisch und somit ist der Anteil des Lichts in den Häusern und Restaurants auch echt mager. Im Restaurant warteten mehrere Töpfe mit tibetischem Essen auf uns. Yak- und Lammfleisch inklusive Knorpel- und Knochenanteil. Für mich verwöhntes „Formfleisch-Weichei“ eine echte Herausforderung. Dazu wieder viel Gemüse und natürlich Reis. Letzteres verschmähte ich natürlich weiterhin. Ich zog wie gesagt die Knorpel und Knochen vor. 😉 ![]() Nach dem Essenerkundigte ich noch etwas die Landschaft. Auf der anderen Straßenseite grasten zwei kleine Ponys still vor sich hin. Wobei man im Grunde kaum von Grasen sprechen kann. Die Landschaft war beige und farblos. Kein grün oder andere Farben, die auf etwas Lebendiges schließen lassen. Und dennoch war hier Leben möglich. Was war ich nur für ein verwöhntes, kleines Menschlein. Worüber ich mir in meinem Alltag so Gedanken machte. Das Leben hier hatte ganz andere Hindernisse zu bewältigen. Ich streunte durch die unwirkliche Welt und dachte über mein Leben nach. Was hatte ich es doch gut. Man sollte viel dankbarer sein und sich öfters im Leben auf die wichtigen Dinge im Leben beschränken. Und man sollte niemals seine Ziele und Visionen aus dem Auge verlieren. Das Leben ist begrenzt und diese Grenzen können schneller kommen, als einem lieb ist. ![]() Wir kletterten gut gesättigt zurück in den Bus. Der höchste Pass stand bevor. Wir waren gespannt was noch vor uns lag und hofften, dass die Henkersmahlzeit auch jenseits der 5000 m unseren Verdauungstrakt nicht vorzeitig verlassen würde. 😁 Hier geht's zu Teil IV: https://kuehlschrankberatung.blogger.de/stories/2581087/ ... comment |
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Letzte Aktualisierung: 2016.12.16, 19:49 status
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