Kuehlschrankberatung
Freitag, 22. April 2016
Auf dem Dach der Welt –Teil I-
Liebes Tagebuch,

da sitz ich nun wieder auf meiner Couch und die Erinnerungen an die letzten Wochen fühlen sich unwirklich und fremd an. Aber der Herpes an meinem rechten Mundwinkel, der jegliche Bewegung meines Mundes schmerzhaft unterbindet zeigt mir, dass die Erinnerungen alles andere als unwirklich sind.😁

Die letzten 14 Tage sind auf der einen Seite wie im Flug vergangen und auf der anderen Seite waren sie voll und intensiv und fühlen sich an wie ein eigenständiges Leben. Fachexkursion Traditionell Tibetische Medizin. Was kann man sich darunter vorstellen? Eine Gruppenreise auf das Dach der Welt in China mit allem was es an Besonderheiten zu bieten hat. Zwar ohne sportliche Betätigung, aber dennoch ein Programm das mich an meine persönlichen Toleranzgrenzen getrieben hat. 😊

Es fing alles mit dem Flug nach Peking an. Sechs Stunden Zeitverschiebung. Mein erster langer Flug in die weite Welt hinaus. Im Flugzeug konnte ich nur ein bisschen die Augen schließen ohne aber in richtigen Schlaf einzutauchen. Nach der Ankunft hätte mein Körper eigentlich eine Nacht erwartet, aber die wurde ihm schlicht und ergreifend gemopst. Somit musste ich quasi eine Nacht komplett durch machen. Aber was solls, sowas hat man schließlich früher als junger Hüpfer auch gemacht. 😉Warum sollte ich nun daran zerbrechen?

Nach dem Erreichen im Hotel wurden wir zu allererst einmal vertröstet. Die Zimmer waren noch nicht bezugsfertig. Um die Zeit bis zum Beziehen zu verkürzen ging es auf den ersten Trip in einen Park. Vom Jetlag geschwängert schleppe ich mich durch einen Pekinger Park und betrachte staunend tanzende und vollkommen außer Kontrolle geratene Pekinger bei ihrer Freizeitbeschäftigung im Freien. Sowas hatte ich in Deutschland noch nicht gesehen. 😃

Ob alt oder jung, alles tummelte sich hier und spielte ausgelassen herum. Davon konnte man sich durchaus eine Scheibe von abschneiden. Vielleicht nicht heute, da ich zum Abschneiden von Scheiben viel zu müde war. Aber vielleicht demnächst könnte ich mir von dieser Mentalität eine Portion genehmigen.

Nach unserer ersten Erkundungsreise in Peking ging es dann endlich auf unsere Hotelzimmer. Aber diese Ruhepause sollte nicht lange anhalten. Nach einer Stärkung am Abend mit dem ersten chinesischen Essen inklusive merkwürdig eingelegter Wachteleier 🙈 ging es am nächsten Morgen in aller Früh wieder raus aus dem Hotel auf den ersten Inlandsflug nach Xining. Kein Frühstück, sondern nur ein Lunchpaket. Der Name Lunchpaket impliziert bereits eine ernährungsphysiologische Katastrophe. 😁 Ebenso wie die Verköstigung im Flugzeug. Wie sagte ein Mitreisender so schön „Im Flugzeug wird mit halt nur irgendwie am Leben gehalten“. Nun denn, da ich durch den ganzen Jetlag und den geringen Schlaf auch einen monströsen Hunger hatte, aß ich alles was mir zwischen die Zähne rutschte. Brötchen, Marmelade und sämtliche Zucker sogar in Verbindung mit Fett. Nach mir die Sintflut oder viel mehr der Fettaufbau. Aber schließlich hatte ich doch Urlaub, da konnte ich ja auch mal reinhauen. Dass Reisen allerdings nicht viel mit Urlaub zu tun hat, habe ich dann in den folgenden Tagen auch noch gelernt.

Mit dem Flieger ging es dann also quer durch China nach Xining. Dort angekommen ging es auf die erste Besichtigung in ein Kloster. Xining liegt auf ca. 3400 m und bedarf für einen Flachlandheini wie mich bereits eine gewisse Anpassung. Tibet, eine irgendwie komplett andere Welt.



Das Wetter meinte es gut mit uns. Die Sonne schien und wir schleppten uns leicht müde durch eine karge und wüstenähnliche Gegend mit Gebetsmühlen und vielen anderen Gebilden, die eine Wiedergeburt in einem besseren Körper wahrscheinlicher machen. Nach dem ersten Trip ging es direkt weiter zum Bahnhof. Keine Zeit zum Ausruhen. Der Plan sah vor mit der Tibetbahn nach Lhasa zu fahren. Diese fährt 22 Stunden auf einer Bahntrasse von Xining aus über mehrere Pässe. Der höchste Pass liegt bei 5200 m. Irgendwo bei 7000 m endet die Überlebensgrenze bzw. dort wird es eng mit dem Überleben. Ich hatte mich im Vorfeld damit beschäftigt was auf dieser Höhe passieren kann und wie sich die Höhenkrankheit äußert. Von Luftnot bis hin zum Übergeben und zum tödlichen Gehirnödem ist alles vertreten. Das Fatale: Man kann nicht sagen wen es trifft und wen nicht. Selbst sportliche Menschen können davon betroffen sein. Ich hatte Angst. Ein klein wenig zumindest. Aber zum Glück sollte diese Befürchtung erst mal auf Eis gelegt werden, da die Chinesen uns vorerst einen Strich durch die Rechnung machten. Beim Einchecken in die Tibetbahn mussten wir durch eine der vielen Sicherheitskontrollen. Dabei fiel den Beamten auf, dass unsere personalisierten Fahrkarten wohl gewisse Tippfehler aufwiesen. Und somit war Schluss mit Lustig. Wir flogen für den Moment wieder raus aus dem Bahnhof und eine gewaltige Diskussion ging los. Unsere tibetischen Reiseführer taten alles um die Beamten davon zu überzeugen, dass wir unsere bezahlte Reise antreten können. Wir standen nur da und konnten dem Schauspiel folgen. Die Zeit lief. Die Bahn würde nicht auf uns warten und somit lag der Fortlauf unserer Reise in den Händen der Beamten bzw. in der Willkür ihrer Entscheidung. Denn eines war klar: Unsere Gruppe konnte harmloser gar nicht sein und uns nicht mitreisen zu lassen war schlicht und ergreifend ein kleines Ausleben von Mach. Aber nun denn, wenn sie sich auf diese Weise besser fühlen, dann sollen sie es doch bitte machen. Im letzten möglichen Augenblick ließen sie uns passieren und wir rannten durch den Bahnhof und sprangen im letzten Moment in die Tibetbahn. 😅
Die Bahn erinnerte mich an eine nostalgische Bahn aus alten Filmen. Sowas hatte ich noch nie in echt gesehen. Die Bahn war so lang, dass man am Bahnsteig weder Anfang noch Ende sehen konnte.


Wir bezogen unser Lager und es auf ging die Reise. Die Bahn setzte sich in Bewegung und wir atmeten durch. Es war ja doch noch mal alles gut gegangen.



Nach einer kurzen Verschnaufpause wurde uns dann die erste Problematik klar. Die Bahn hatte vier Klos und mehrere Hundert Mitfahrer, die alle über 22 Stunden mitreisen würden. Suche den Fehler.😂

Nach ein paar Stunden Fahrt hatte sich der Zustand der Klos bereits verändert. Der Geruch wurde zunehmend strenger. Unser Reiseführer hatte uns eindringlich geraten, dass wir viel trinken sollen, da dies das Wichtigste sei um der Höhenkrankheit vorzubeugen. Welche ein Dilemma. Es ging somit an der Benutzung der sanitären Anlagen kein Weg vorbei. Neben den Spuren von kleinen Geschäften gesellten sich mit der Fahrdauer auch Spuren von größeren Verhandlungen. Der Spaßfaktor wuchs mit jeder weiteren Stunde. Mit dem immer weiter steigenden Spaß näherte sich auch die Nacht und mit ihr auch die immer höhere Höhe. Und dann war es irgendwann so weit. Ich lag in meinem Bett und wartete darauf was die Höhe mit meinem Körper machen würde. Ich war tot müde. Jetlag und mehrere schlaflose Nächte lagen hinter mir. Eigentlich wollte ich nichts andere als schlafen. Die Bahn rumpelte durch die Nacht und anstatt in den Schlaf zu gleiten horchte ich in mich hinein. Ich bekam irgendwie schlechter Luft. Und dies lag nicht nur an dem eigentümlichen Geruch dieser Retro-Bahn. Die Luft wurde wahrlich dünn. Reflexartig schnappte ich immer wieder nach Luft und verspürte Atemnot. Aber zum Glück immer nur für ein paar Sekunden. Ich richtete mich auf und blickte aus dem Fenster. Die Nacht zog vorbei. Ein klarer Sternenhimmel mit 1000den von Sternen war zu sehen. Vor der unwirklichen, dunklen Hochgebirgslandschaft eine wahrlich atemberaubende Kulisse. Die Sache mit dem Schlafen würde wohl nichts mehr geben. Was fühlte ich mich elend. Aber nun gut, immerhin hatte ich keine weiteren Erscheinungen der Höhenkrankheit. Oder wurde mir da gerade etwa übel? Tatsächlich kroch eine leichte Übelkeit in mir hinauf. Ob es nun von dem tibetischen Essen kam oder auch durch die Höhe bedingt war oder gar durch den Zustand der sanitären Anlagen. Ich legte mich wieder hin und wartete einfach was noch alles passieren würde.

Hier geht's zu Teil II:
https://kuehlschrankberatung.blogger.de/stories/2580884/

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Letzte Aktualisierung: 2016.12.16, 19:49
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